Samstag, 31. Januar 2015

Paul, du bist so wunderbar!

Da es hier ja inzwischen hauptsächlich im Levi geht, weil ich es nicht schaffe, häufiger, als einmal pro Monat zu bloggen, ist ein bisschen Paul mal wieder fällig.

Immer schon mal wollte ich so einen "Brief" an Paul schreiben. Habe es aber nie getan, weil ich dachte, wenn, hätte ich damit am Anfang beginnen müssen.
Aber jetzt komme ich nicht drumherum und möchte die folgenden Zeilen mit euch teilen:

Mein lieber Paul!
Fast schon zwei Jahre verbringen wir beide nun schon Hand in Hand zusammen. In diesen zwei Jahren ist so viel passiert. Momente der Freude, des Bangens, des Ärgers, des Staunens, der Verzweiflung, der Glückseligkeit, des Stolzes, der inneren Ruhe und Zufriedenheit.
Mit dir ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen.
Du hast mich von Beginn  an fasziniert, gebannt habe ich deine Entwicklung verfolgt und staunte immer wieder über deine Fortschritte.
Und jetzt ist gerade so ein Punkt gekommen, wo ich ganz besonders denke: es macht so Spaß mit dir. Nicht, dass es vorher keinen Spaß gemacht hätte, es war immer wundervoll mit dir, aber jetzt ist es anders. Jetzt bist du auf dem Weg vom Kleinkind zum Kind. Du hast so gravierende Sprünge gemacht.
Wenn ich mit dir am Mittagstisch sitze und mich mit dir unterhalte, überfliegt mich ein unheimliches Glücksgefühl.
Auch wenn du noch nicht viel und erst recht keine Sätze sprechen kannst, aber wir unterhalten uns dennoch. Du verstehst jetzt so viel und reagierst darauf. Du spricht mit deinen (eigenen) paar Wörtern, Gesten und der Mimik. Zumeist verstehe ich dich.
Es ist einfach ein ganz neues Gefühl, von dir verstanden zu werden und dich zu verstehen. Ein richtiger kleiner Mensch, mit dem man kommunizieren und interagieren kann - auf einem nicht mehr so "primitiven" Niveau wie mit einem Baby eben. Ganz ganz toll ist das.
Du hast begonnen, mir oder dem Papa vom Tag zu erzählen. Manchmal liegst du abends im Bett, ich liege daneben in meinem, und sagst plötzlich "Babaf" (=Spielplatz). Nach ein paar Sekunden: "Rutsi" (=Rutsche) und nach ein paar weiteren Sekunden: "Nana! (=Kinder).
So völlig aus dem Nichts und der Ruhe heraus. Und ich liege da und könnte platzen vor Glück.
Du beginnst, dich um deinen Bruder zu kümmern. Manchmal gehst du von dir aus zu ihm, wenn er meckert oder weint. Manchmal tust du dies auch auf mein Bitten hin, weil ich mir gerade die Haare mache oder so. Leider schaffst du es noch nicht so gut, ihn zu beruhigen oder abzulenken. Ich glaube, das enttäuscht dich manchmal. Aber trotzdem bist du immer wieder aufs Neue bereit, dich ihm zu widmen.
Du merkst, wie Levi sich mehr und mehr zur eigenen Persönlichkeit entwickelt. Damit schwindet dessen Welpenschutz allmählich auch und du zögerst nicht, ihm Dinge wegzunehmen oder Dinge, die er haben möchte, ganz fest zu halten. So kommt ihr beide immer mehr in Interaktion und das ist für mich ganz faszinierend, zu beobachten.
Du lernst so langsam die Eifersucht kennen. Das ist natürlich manchmal nicht so einfach für mich und für dich erst recht nicht, weil ich so manches Mal absagen muss, wenn du auf meinen Arm möchtest, wenn ich aber Levi gerade trage. Aber dein Verhalten zeigt mir natürlich auch, wie wichtig ich dir bin und das macht mich glücklich.
Wenn du es für sinnvoll erachtest oder bei gewissen Dingen, wo du anscheinend unsere Ernsthaftigkeit des "Neins" erkannt hast, dann hörst du so gut auf unsere Anweisungen oder Verbote. So manches Mal bin ich ganz erstaunt. Und stolz auf dich.
Du bist so hilfsbereit und hast einen grandiosen Ordnungssinn. Sehr oft schnappst du dir den Besen oder, wenn du ihn gerade erwischst, den Wischmop und los geht die Hausarbeit. Kaum hast du einen Lappen in der Hand, wird drauf los gewischt. Manchmal kannst du dir die Spülbürste schnappen, dann wird die ganze Küche geschrubbt. Oder im Bad reißt du dir ein (oder ein paar mehr *grins*) Klopapier Blätter ab und beginnst damit, das Bad zu putzen. Am liebsten hättest du natürlich Reinigungsmittel dazu, aber da weißt du zum Glück, dass die tabu sind.
Du kannst es überhaupt nicht leiden, wenn Dinge "nicht richtig" sind. Wenn mir der Staubsauger beim Saugen umkippt, dann wirst du ganz nervös und zeigst aufgeregt auf diesen und rufst "Aua aua".
Als du mit Oma einkaufen warst und die kleine Tüte mit Kartoffeln hieltest, fiel eine hinaus und ganz aufgebracht hast du Oma versucht klar zu machen, was da passiert ist.
Du hast einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, wenn wir essen, dann soll Levi auch etwas bekommen. Wenn Papa dir einen Kuss zum Abschied gibt, muss Mama auch einen bekommen.

Lieber Paul, du bist genau so richtig, wie du bist. Und natürlich darf es da auch mal Tage geben, wo wir für den 5-Minuten-Fußweg zum Spielplatz eine halbe Stunde brauchen, weil du getragen werden möchtest und dir der Boden dann von ganz Nahem am liebsten ist *grins*
Auch wenn ich leider nicht immer durchgehend so lieb, ruhig und geduldig sein kann, wie ich es gerne wäre, so gestehe ich dir diese Momente durchaus zu. Weil ich weiß, dass sie dazu gehören und wichtig sind. Dass du sie brauchst, um ein großer Mensch zu werden.
Leider kann ich dir das noch nicht so gut erklären, dass diese Momente im Nachhinein durchaus Sinn für mich machen, ich aber in diesen eben auch nur ein Mensch bin mit Emotionen und Befindlichkeiten. Wenn ich andere Mütter sehe, die da gleich wütend, laut, ungerecht werden, dann denke ich, mache ich das schon OK, wenn ich dich von 30 Minuten 25 Minuten einfach machen lasse und geduldig abwarte, vielleicht zwischendurch mal nachfrage, aber eben nicht meckere oder ungeduldig/ungehalten werde. Und die anderen 5 Minuten dann vielleicht doof bin...
Und da ich mich jeden Abend selbst reflektiere und mir für die nächsten Situationen klare Ziele setze, glaube ich, mache ich das Ganze im Großen und Ganzen doch ganz gut.
Und ich glaube, dass du da mit mir in gewisser Weise schon Glück gehabt hast, da ich dich oft WIRKLICH verstehe und es an Empathie nicht mangelt. Ich weiß manchmal nicht, wie ich am besten handle, aber immer, wirklich immer spreche ich, auch anderen gegenüber davon, dass ich diese "Trotz" bzw. Autonomie-Momente nicht als belastend empfinde sondern sie akzeptiere und eben weiß, dass sie dazu gehören und wichtig sind.
Ich glaube, dass nicht jedes Kind dieses Glück hat und es viele Mütter gibt, die sich darüber beklagen, deshalb stöhnen und jammern, sich aber wenig Gedanken darum machen, dass ihr Kleinen uns damit nie etwas "Böses" wollt sondern einfach in euren eigenen Gefühlen und Willen fest steckt.
Ich hoffe, ganz bald kommt der Tag, wo wir darüber besser reden können. Du verstehst zwar jetzt schon so viel, aber so nicht greifbare oder tiefer gehende Dinge, die musst du noch lernen zu begreifen.
Aber das geht jetzt sicher ganz schnell.

Mein Paul, ich liebe dich so sehr und freue mich auf die nächsten zwei Jahre. Und die zwei danach und danach und danach.... auf alles, was noch vor uns liegt.

Deine Mama


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