Samstag, 16. August 2014

Das Wochenbett und was es so mit sich bringt.

Hallo meine lieben Leser.
Ruhig war es hier.
Das lag zum einen daran, dass es mit zwei kleinen Kindern natürlich noch einmal schwieriger ist, Zeit für den Rechner zu finden (online bin ich dann morgens nach'm Aufwachen, abends vor'm Schlafen und zwischendurch beim Stillen immer  nur mit iPhone oder iPad), zum anderen hatte es mich leider psychisch doch mehr erwischt...

Womit wir beim Thema Wochenbett und dessen Mitbringsel sind.
Zunächst einmal muss ich sagen, dass ich überhaupt nicht der Mensch bin, der das Wochenbett auch als solches "nutzt". Ich hatte, wie auch bei Paul schon, verstärkten Baby Blues und unter diesem wäre es der pure Horror für mich, es mir auf der Couch oder im Bett gemütlich zu machen, wo jede Menge Zeit und Raum für blöde Gedanken und Gefühle sind.
Ablenken war das Motto. Raus kommen. Den Alltag leben.
Trotzdem schaffte ich es nicht, da richtig raus zu kommen, aus dieser Gedankenspirale und den dazugehörigen Gefühlen.
Ich wartete jeden Tag darauf, dass es besser wurde, doch merkte ich zunehmend, wie ich mich so latent depressiv fühlte. Ich wollte mich immer über mein Glück freuen und mich auf Dinge freuen, aber es gelang mir nicht. Und das belastete mich dann auch ziemlich, denn alles war gut.
Ich habe zwei gesunde, hübsche Söhne, Paul ging so toll mit der neuen Situation um, Rico nahm mir viel ab, kümmerte sich so toll um Paul... ich wollte das genießen. Denn das ist ein Grund, zu genießen. Wenn nicht dieser, welcher dann?
Man sagt, wenn der Baby Blues über 14 Tage hinaus geht, sollte man es bzgl. Depression abklären lassen.
15 Tage nach der Geburt war es so schlimm, dass ich ständig weinen musste und mich in einem ganz tiefen Loch fühlte. Am nächsten Tag startete der Tag, wie der letzte aufgehört hatte und so machte ich mich auf den Weg, Hilfe zu holen.
Ergebnis war dann, dass ich Tabletten bekam. Ein Akutmittel, welches nicht, wie Antidepressiva 2-3 Wochen braucht, um einen Spiegel aufzubauen, sondern eben sofort wirkt.
Mir geht es schon wesentlich besser, seit ich die Tabletten nehme. Die depressive Grundstimmung ist weg. Es gab/gibt schlechtere Tage, aber im Grunde geht es mir wieder relativ normal. Welch eine Erleichterung. Ich hatte gedacht/gehofft, damit sei das Ding erstmal erledigt. Aber ich merke seit einigen Tagen, dass mir damit nur erstmal gefühlstechnisch geholfen war. Die auslösenden "Probleme", auf die ich nicht näher eingehen möchte, da das dann doch zu privat wird, lösen sich dadurch leider nicht. Ich bin mir sehr sicher, dass es auch viel mit dem Kaiserschnitt zu tun hat. Damit, dass mir die natürliche Geburt eben definitiv und für immer verwehrt geblieben ist und damit, dass dieser Kaiserschnitt ja einfach mal nicht so toll ablief, wie der bei Paul.
Bei Paul empfand ich es ja trotzdem als Geburtserlebnis. Dieses Mal überhaupt nicht. Ich habe nach wie vor das Gefühl, mir fehlt etwas. Ich wünsche mich immer zurück in die Situation rund um die Geburt, um es noch einmal zu erleben. Vermutlich in der Hoffnung, dann zu finden, was mir fehlt.
Ich habe lange überlegt, dies hier im Blog zu schreiben, da es ja doch etwas sehr persönliches, ja, fast schon intimes ist, über so ein Thema zu sprechen. Ich habe mich nun bewusst dafür entschieden, weil ich denke, hätte ich es "verschwiegen" und so getan, als wäre alles Super-Sonnenschein, dann würde ich genau dazu beitragen, dass es weiterhin so bleibt, dass sich Frauen dafür schämen, wenn ihnen so eine Wochenbettdepression widerfährt.
Ich hatte für mich selbst auch das Gefühl, das ist ein Tabu-Thema. Das geht niemanden etwas an, das ist peinlich, das erzähle ich niemandem. Aber dann nahm ich meinen Mut zusammen und gab es preis. Und es tat gar nicht weh. Die Reaktionen der meisten Menschen darauf war auch durchweg positiv.

Aber nicht nur das hatte das Wochenbett für mich parat. Nein, 13 Tage nach der Geburt bekam ich abends plötzlich Schüttelfrost und Gliederschmerzen, ab spätabends dann hohes Fieber, die ganze Nacht durch zwischen 39,3 und 39,8 Grad. Ich wartete auf Erkältungs-Symptome, aber da kam nichts. Meine Hebamme checkte mich, meine Brüste und Gebärmutter am nächsten Tag, konnte nichts feststellen, da ich auch keine Schmerzen hatte. Trotzdem sollte ich dies lieber einmal gynäkologisch abklären lassen. Zu meiner Praxis konnte ich nicht, da die in Eckernförde ist, ich aber ja in Kiel wohne. Niemals hätte ich es dort hin geschafft. Also bin ich hier zum Frauenarzt um die Ecke (ein Professor Doktor, aber ein ganz lieber) gegangen und auch dieser konnte nichts feststellen. Er meinte, an meiner Gebärmutter sei nichts zu finden, was das erklären könnte. Er gehe aber trotzdem davon aus, dass das da "irgendwie aus der Ecke" kommt und so verschrieb er mir "auf blauen Dunst" ein Antibiotikum.
Ich sollte dann alle zwei Stunden Fieber messen und am nächsten Tag wieder kommen. Trotz fiebersenkendem Mittel blieb das Fieber zwischen 38,5 und 39,5 Grad.
Erst am nächsten Morgen (wo ich dann schon 3 der Tabletten genommen hatte) ging das Fieber runter auf unter 38 Grad. Und verschwand dann auch bald ganz.
Zum Glück, denn sonst hätte er mich an dem Tag ins Krankenhaus geschickt. Und da wollte ich ja nun gar nicht hin.

So, das erstmal zu mir.
Einige warten vielleicht auf den ersten Monatspost von Levi. Ich bin dabei... Viel spannendes gibt es vom ersten Monat ja nicht zu berichten, aber zumindest die Bilder sollt ihr bekommen :)


Kommentare:

  1. Liebe Jenny, erstmal drücke ich dich fest! Ich freue mich, dass es dir schon besser geht und hoffe all deine Sorgen gehen bald vorüber.Es ist traurig, dass dein Kaiserschnitt so ein traumatisches Erlebnis war, hast du schon darüber nachgedacht das ganze mit einem Profi aufzuarbeiten? Vielleicht würde es dir helfen das Erlebnis zu verarbeiten und irgendwann einigermaßen damit abzuschließen. Ich finde es toll und mutig von dir, deine Probleme hier zu schildern. Du hast Recht, es ist immer noch irgendwie tabu über Depressionen im Wochenbett zu sprechen, sogar über die "Heultage" spricht doch keiner und wenn man sie erwähnt, wird das nur fix weggeschnackt.
    Ich drück dich nochmal fest und wünsche dir alles Liebe!
    Anna

    AntwortenLöschen
  2. Ich stimme Anna hier zu 100% zu. Es ist ganz toll dass du dich entschieden hast diesen Post zu schreiben. Ich als erstmami Stelle auch fest dass es soooo viele Dinge gibt über die ersten paar Wochen, die dir vorher niemand erzählt, die dich dann aber kalt erwischen. Es ist also ganz wichtig dass es Menschen wie Dich gibt die es einfach offen aussprechen.
    Ich denke auch, dass ein Weh gefunden werden muss wie du die Geburt verarbeiten kannst. Und vielleicht hilft dir schreiben ja auch diesbezüglich. Und sich Hilfe zu holen ist niemals verwerflich sondern immer der richtige Weg.
    Von mir wirst du auch ganz fest gedrückt.

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Jenny,
    ich finde es ganz mutig, dass Du Dich dafür entschieden hast, darüber zu schreiben. Ich hoffe, dass bald eine fröhlichere Zeit für Euch 4 beginnt, in der Du Deine Familie genießen kannst. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen!!
    Liebste Grüße
    Mara Zeitspieler

    AntwortenLöschen