Dienstag, 8. Juli 2014

Zwischen Vorfreude, Genießen und Ängsten - meine zweite Schwangerschaft

Schon lange will ich über die jetzige Schwangerschaft berichten. Immer war ich zu faul. Da das Ende nun vor der Tür steht, raffe ich mich nun endlich auf :)


Diese Schwangerschaft war anders, als die Erste.
Nach Pauls Geburt hatte ich einige Tage ordentlich mit dem Baby Blues zu kämpfen und so ein paar Dinge hielten sich hartnäckig. Unter anderem, dieses Gefühl, die Schwangerschaft nicht richtig oder zu wenig genossen zu haben. Immer habe ich die Schmerzen verflucht, alles war so unwirklich, so abstrakt und ich konnte mir einfach überhaupt nicht vorstellen, bald ein Baby zu haben.
Ich dachte immer, wenn man schwanger ist, dann läuft man plötzlich nur noch überglücklich durch die Welt, empfindet eine enorme Vorfreude auf das Baby und überhaupt, liebt dieses Baby schon im Bauch über alles.
So war es aber nicht. Ich konnte damit nichts anfangen. Die Vorstellung, ein echter kleiner Mensch lebt in mir, fand ich eher gruselig. Ich hatte Angst, mein Kind nicht lieben zu können, weil ich immer versuchte, mir vorzustellen, wie es sein würde, wenn es da ist und da aber null an Gefühl rüber kam.
Und wie kam es dann tatsächlich?
Paul wurde mir auf den Bauch gelegt und ich weinte eine Glücksträne. Ich war überwältigt, dieses Gefühl in dem Moment ist einfach nicht zu beschreiben. Ich schaute mein Baby an, dachte immer nur: Das ist dein Baby, dein Baby... wow!
Ich war verliebt und glücklich und alles war wundervoll.
Die ersten Wochen kam es zwar immer wieder mal vor, dass es mir plötzlich fremd vorkam, ein Kind zu haben, aber grundsätzlich war ich enorm verzückt durch meinen kleinen Kerl.
Und heute? Liebe ich ihn über alles. Gefühlt jeden Tag ein bisschen mehr.
Jegliche Sorgen in der Schwangerschaft waren also unbegründet.

Das habe ich in diese Schwangerschaft mit genommen. Zwar finde ich es auch dieses Mal komisch, unwirklich und leicht gruselig, dass ein Mensch in mir lebt, aber ich machte mir darüber keine Gedanken. Ich wusste ja, wie es nach der Geburt vermutlich aussehen und sich alles entwickeln wird.
Immer wieder stellte sich ein Gefühl von "gerne schwanger sein" ein.
Das, was ich in Pauls Schwangerschaft vermisst habe.
Natürlich ging diese Schwangerschaft auch anders vorüber, als die erste. Sie lief irgendwie mehr nebenher ab. Aber trotzdem hatte ich einen anderen Bezug dazu und das tat verdammt gut.
Ich lief zwar auch dieses Mal nicht mit dem rosaroten Glücksgefühl durch die Gegend, aber dies war eben auch OK für mich. Heute weiß ich einfach, dass man das nicht braucht, um "normal", eine gute Mama zu sein. Mir wurde von "Experten" auch gesagt, dass viele Frauen mehr erzählen, als wie es wirklich ist und so bei vielen dieses utopische Wunschdenken aufkommt.

Ich konnte mich dieses Mal wesentlich mehr auf das Baby freuen. Weil ich weiß, was mich erwartet. Ich freue mich auf diesen Moment, ihn das erste Mal zu sehen, zu berühren. Ich hoffe, hier verliert der Moment auch bei Wiederholung nicht an Zauber. Manchmal frage ich mich das: Wird es genauso unbeschreiblich, überwältigend sein, wie bei Paul? Immerhin ist es nicht mehr neu...
Ich freue mich auf diese ersten Stunden, die einen ganz besonderen Zauber inne haben.
Ich freue mich, einen neuen kleinen Menschen kennenzulernen, seine Entwicklung fasziniert zu beobachten und ihm die Welt zu zeigen.
Auf all das konnte ich mich bei Paul nicht freuen, weil ich nicht wusste, worauf ich mich freuen soll.

Es kamen aber auch immer wieder diese Momente, wo ich Paul gegenüber ein sehr schlechtes Gewissen bekam. Er ist einfach noch zu klein, um irgendetwas davon zu verstehen.
Er wird dem einfach ausgesetzt, ohne dass man ihm erklären kann, warum dieses Baby nun bei uns ist.
Ich habe Angst, dass er sich zurück gestellt fühlt.
Habe das Gefühl, ihm damit etwas anzutun.
Auch wenn ich mir immer wieder sage, dass es eine Bereicherung für ihn ist, ein Geschwisterchen zu bekommen. Auch noch einen Bruder. In so kurzem Altersabstand.
Ich habe ja selbst zwei Schwestern, eine davon 2,5 Jahre jünger als ich und wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, dann sehr viel daran, wie ich mit ihr Tag für Tag, Stunde für Stunde gespielt habe.
Damals wusste man das nicht zu schätzen. Heute weiß ich, wie wertvoll das war.
Und Paul und sein Bruder werden sogar nur 1,5 Jahre auseinander sein. Die werden vermutlich noch mal eine ganze Portion besser miteinander spielen (aber sicher auch zanken *grins*) können.
Ich tue Paul und auch seinem Bruder damit etwas Gutes.
Sprach die Vernunft.
Der arme Paul, er wird nicht mehr der einzige sein, er wird spüren, dass du noch ein anderes Kind liebst, das wird ihn traurig machen.
Sprach das Herz.
Puh, das macht mir manchmal ganz schön zu schaffen, sage ich euch.
Ich bin leider ein Mensch, der enorm schnell ein schlechtes Gewissen bekommt. Schnell kommt bei mir Mitleid auf für andere Menschen, Mitleid, der mich manchmal zermürben kann.
Ich mache mir immer viel zu viele Gedanken und Sorgen.
Und das schlimmste: Das sind einfach Tugenden, die ich nicht abstellen kann. Ich muss damit leben und irgendwie damit klar kommen.

Ich habe einen Masterplan in der Tasche, ich habe mir schon ganz viel ausgemalt, wie ich es schaffen werde, spezielle Zeit für Paul zu haben. Ihn spüren lassen, dass er mir noch immer genauso wichtig ist, wie vorher. Dass ich ihn weiterhin über alles liebe und ihm meine Zeit und Aufmerksamkeit geben kann.
Mit Sicherheit wird das alles ganz gut klappen und vielleicht wird Paul das alles viel weniger ausmachen, als ich mich jetzt drum sorge...
Und nach ein paar (wenigen) Wochen wird es für Paul sowieso schon so sein, als wäre er nie alleine gewesen. Das sagte meine Hebamme und das habe ich nun auch schon anderweitig gelesen/gehört. Das Erinnerungsvermögen reicht in dem Alter einfach noch nicht so weit.
Das ist für mich ein großer "Trost".

Ich freue mich aber auch darauf, wie Paul auf das Baby reagieren wird.
Paul hat derzeit eine ganz liebevolle Phase. In der Spielgruppe möchte er immer allen anderen Kindern Küsse aufdrücken (die älteren wehren leider meistens ab, aber der in seinem Alter, den kann er immer küssen und auf den hat er es auch total abgesehen, es ist zu niedlich!)
Vor ein paar Wochen waren wir bei meiner lieben Internetfreundin, die ich an dem Tag endlich persönlich kennenlernte. Sie und ihre zuckersüße Tochter, an dem Tag ca 10 Wochen alt.
Es war so herzallerliebst, wie Paul auf das Baby reagiert hat.
Ein ganz entzücktes "Ooooooh" gab er von sich, als er die Kleine sah. Er trat ihr nahe und streichelte ihren Kopf, begleitet von einem lautstarken "Eeeeiiii".
Dann gab er ihr einen Kuss auf die Stirn.
Mein Herz ging so auf und ich freute mich so sehr, dieses Bild zu erleben, wenn es sich um Pauls Bruder handelt. Wie schön muss das sein?
Paul ging an diesem Vormittag immer wieder mal an die Kleine ran und er war nur liebevoll. Er haut ja leider auch gerne mal in letzter Zeit oder beißt... aber das Baby wurde nur gestreichelt und geküsst.
Während der Hund leider hin und wieder das Gegenteil verspüren durfte.
Nicht schön, aber zumindest schön zu wissen, dass Paul da Unterschiede macht bzw. erkannt hat, dass dieses Baby klein und vorsichtig zu behandeln ist.

Ich freue mich darauf. Aber ich habe weiterhin Angst. Ich hoffe sehr, dass wir es gut schaffen werden, dass Paul mit der neuen Situation gut zurecht kommt und glücklich ist.
Meine Hebamme sagte gestern, Paul wäre ja so ein Sonnenschein, der wäre bestimmt einer, der mit so einer neuen Situation gut klar kommen wird.
Ich hoffe es.
Er ist doch mein Ein und Alles und mir das Wichtigste im Leben. Ich möchte, dass es ihm gut geht und er glücklich ist!

1 Kommentar:

  1. Nein, Dein kleiner Paul wird nicht traurig sein, dass er nicht mehr der einzige Prinz ist. Nach vier Wochen wird er sich an die Zeit v o r seinem Geschwisterchen nicht mehr erinnen. Und dann ist es einfach so. Geschwister zu haben ist meistens etwas ganz Wertvolles. Und das gibst Du ihm gerade. Und Du brauchst auch keine planbare Zeit für Paul - das ergibt sich meistens.
    Das , was sich ändern wird , ist nur eins: Paul ist dann nicht mehr Dein Ein und Alles und das Wichtigste im Leben. Dann hast Du das Ganze im Doppelpack!! :)

    Aber ich erzähle hier so vor mich hin: Ich glaube, heute ist der Tag der Tage. Ich habe schon an Dich gedacht und hoffe, dass es Euch Vieren gut geht!
    LG
    Julika

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