Samstag, 7. Juni 2014

Warum Kaiserschnitt?

Hallo ihr Lieben.
Da es zu meinem letzten Post die Frage gab und da ich denke, dass es sicher einige, vor allem neuere Leserinnen, gibt, die meine "Geschichte" nicht zur Genüge kennen, möchte ich hier einmal kurz aufklären und euch wissen lassen, warum es, auch dieses Mal wieder, ein Kaiserschnitt wird.
Dafür fange ich mal "von vorne" an.



Zum ersten Mal schwanger wurde ich im Dezember 2011. Diese Schwangerschaft endete leider in einer Fehlgeburt. Festgestellt bzw. entdeckt wurde diese in der 14. Woche. Das Baby muss aber schon ca zwei Wochen tot gewesen sein.
Ich wurde dann relativ schnell wieder schwanger, im Juni 2012 testete ich erneut positiv.
Da meine Frauenärztin zu dem Zeitpunkt gerade im Urlaub war, ließ ich mich von ihrem Kollegen untersuchen.
Dieser machte einen Ultraschall, fand eine Fruchthöhle und sagte mir, dass ich einen Uterus Bicornis habe, das wisse ich, oder?
Ähm, nein. Ist das denn schlimm? Nein, ist es nicht.
Entweder ist schlimm Definitionssache oder aber er wollte sich die Aufklärung ersparen. Diese übernahm dann meine Frauenärztin, bei der ich in der 8. Woche meinen ersten Termin hatte.
Sie erklärte mir, dass die Gebärmutter bei dieser Fehlbildung quasi aus zwei "Hörnern" besteht und dass es sehr gut möglich sei, dass die Fehlgeburt darauf zurückzuführen ist. Weil das Baby sich an einer ungünstigen Stelle eingenistet hat und dort nicht mehr richtig wachsen konnte (zu enge Umgebung oder ungenügende Versorgung). Auf dem Ultraschall sah man dann sehr gut die Herzform meiner Gebärmutter (an dieser Stelle dürft ihr gerne mal "Uterus Bicornis" in die Suchmaschine eingeben und dann auf Bilder klicken, dann seht ihr es ganz gut). Bei der letzten Schwangerschaft konnte man das wohl noch nicht erkennen, es wäre ihr sonst aufgefallen, sagte sie, so eindeutig war es nun zu sehen.
Es kommt häufig vor, dass man auf einem normalen Ultraschall diese Fehlbildung nicht erkennen kann. Ich habe natürlich ausgiebig im Internet recherchiert, bin mit anderen Frauen dieser Fehlbildung in Kontakt getreten usw.
Es gibt verschiedene Ausprägungen und überhaupt verschiedene Fehlbildungen.
Ob ich jetzt wirklich den Uterus Bicornis habe oder den Uterus Septum, weiß ich gar nicht. So wie ich es aber verstanden habe, würde man beim Uterus Septum wohl nicht diese Herzform im Ultraschall erkennen, weil die Gebärmutterwand oben "normal" und nicht "zweibögig" ist.
Die Ärzte sprechen immer vom Uterus Bicornis. Aber auch vom Septum. Wobei anscheinend fachsprachlich die Einkerbung in der Gebärmutter beim Bicornis gar nicht Septum genannt wird.
Kurz, knapp und einfach erklärt sind die Fehlbildungen in diesem Link, klickt gerne mal drauf:

http://www.babycenter.de/a8472/anomalien-des-uterus-in-der-schwangerschaft

Meine Recherche im Internet ergab, dass es bei dieser Fehlbildung häufiger zu Fehlgeburten kommt. Ebenso sei eine Frühgeburt sowie ein Kaiserschnitt wahrscheinlich.

Wir wussten die komplette Schwangerschaft von Paul über nicht, wie weit ausgeprägt es bei mir nun ist. Möglicherweise war die Gebärmutter nur ein bisschen geteilt, vielleicht aber auch tief. Das konnte man anhand des Ultraschalls eben nicht erkennen.
Paul lag immer und kontinuierlich in Beckenendlage.
Meine Frauenärztin ist der Meinung, beim ersten Kind lieber keine Geburt daraus zu versuchen.
Mir war das auch zu heikel. So oder so.
Aber erst recht in Anbetracht dessen, dass ich diese Gebärmutterfehlbildung habe. So hatte ich z. B. von anderen Frauen vom Geburtsstillstand gelesen, weil sie nicht genug pressen konnten...
Ist ja auch logisch: Das Kind liegt quasi nur in einer Hälfte der Gebärmutter. Die "Trennwand" ist möglicherweise nicht fähig, richtige Kontraktionen auszuüben. Folglich würde das Kind durch die Wehen nur von einer Gebärmutterwand runter gedrückt werden.
Also für mich stand fest, da gehe ich kein Risiko ein. Auch wenn es mir sehr schwer fiel. Ich habe mir immer sehr eine natürliche Geburt gewünscht und ich war sehr traurig, dass es ein Kaiserschnitt werden sollte. Es machte mir so zu schaffen, dass ich Angst hatte, mein Kind evtl. nicht annehmen zu können, weil ich es nicht selbst geboren habe. Ich ging sogar zu einer Psychologin.
Zum Glück waren meine Bedenken aber umsonst. Sobald Paul auf mir lag, war ich überwältigt und verliebt.
Beim Kaiserschnitt sah man dann das Ausmaß und die operierende Ärztin teilte mir mit, dass meine Gebärmutter bis ins untere Drittel geteilt ist.

Da ich aber auch von natürlichen Geburten bei Uterus Bicornis hörte bzw. las, hatte ich für die jetzige Schwangerschaft die Hoffnung auf eine natürliche Geburt. Erst recht, nachdem der Kleine in der 28. Woche mit dem Köpfchen unten lag.
Doch hat er sich kurz darauf wieder gedreht und liegt seitdem wieder in Beckenendlage.
Meine Hebamme sprach die Ärztin, die mich bei Paul operierte, an und diese meinte, dass sie, so wie sie es in Erinnerung hat, eher nicht denkt, dass eine natürliche Geburt möglich wäre, selbst wenn das Kind richtig liegt. Einfach, weil es unten doch sehr eng ist.
Ja und genau aus diesem Grund hat der Kleine sich wohl auch wieder anders herum gedreht. Meine Hebamme meint, der Po sei ja weicher, wenn sich der in der Enge unten befindet, stört das ja nicht so, wie am Kopf.
Hebamme sowie Ärzte sehen eher wenig Chance, dass er sich noch in Schädellage dreht.
Also bleibt nur ein erneuter Kaiserschnitt.
Inzwischen schaffe ich es ganz gut, dies hinzunehmen. Die Gesundheit meines Kindes und auch von mir geht vor. Und letztendlich sollte man froh sein, dass es heutzutage diese Möglichkeit gibt und relativ gesichert ist, dass wir beide wohlbehalten aus der Geburt heraus gehen.

1 Kommentar:

  1. In der Geschichte kann ich mich gut wiedererkennen. Erst Fehlgeburten, dann nach vielen Jahren endlich eine gute und total unkomplizierte Schwangerschaft. Kind häufig in Querlage und zum Ende hin in BEL, aber mit den Füßen unten. Auch mir haben die Ärzte zum vorzeitigen Kaiserschnitt geraten. Meine Hebamme und ich habens trotzdem natürlich versucht (im Krankenhaus). Muttermund ging super auf, kräftige Wehen, Fruchtblase platzte erst mit der ersten Presswehe und dann ging nix mehr. Der kleine Mann saß schief auf einer Seite meines Beckens und stemmte sich mit einem Fuß gegen die andere Seite, der zweite Fuß war hochgeklappt. Die Hebamme konnte ihn schon sehen, aber bekam ihn nicht rübergezogen in den Geburtskanal. Ehe bei waghalsigen Manövern dann noch die Nabelschnur oder ein Bein oder Arm vorfällt, hieß es dann doch Kaiserschnitt. So richtig enttäuscht war ich nicht, da ich mich ja schon drauf eingestellt hatte.
    Jetzt bin ich gerade mit dem zweiten in SSW 32 und hoffe auf eine Schädellage, um es nochmal natürlich probieren zu können. Bisher siehts gut aus, aber scheint noch immer genug Platz für Drehungen zu sein. Wir werden sehen.
    Auch diesmal gilt als oberstes Gebot: Ich bin schwanger, weil ich ein gesundes Kind und nicht unbedingt eine tolle Geburt haben möchte.
    Allen da draußen denen es ähnlich geht möchte ich sagen: nicht verzweifeln! Ein Kaiserschnitt ist kein Weltuntergang.

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