Sonntag, 13. Oktober 2013

Stillen, Essen, Abstillen.

Paul stillt sich ab. Ganz alleine, ganz von sich aus.
Und die Mami wird wehmütig.
Wer hätte das gedacht? Ich nicht. Lange war stillen für mich nur Mittel zum Zweck...
Im Folgenden mein Erfahrungspost zum Thema Stillen.

Fange ich mal ganz von vorne an:
In der Schwangerschaft fühlte ich mich wie die größte Rabenmutter. Der Gedanke an's Stillen war kein schöner. Ich freute mich nicht darauf. Nein, ich fand die Vorstellung, da würde ein Baby an meiner Brust nuckeln ehrlich gesagt sogar unangenehm. Fast schon etwas eklig.
Trotzdem wollte ich unbedingt stillen. Etwas kontrovers, nicht wahr?
Ich wollte es unbedingt, weil:

  • es das Beste für's Kind ist
  • es natürlich ist. Ich mir immer dachte, das hat die Natur so vorgesehen, so soll das sein, dazu bin ich dann ja quasi gemacht und verantwortlich, mein Kind zu ernähren
  • es kostengünstig ist
  • es praktisch ist
Ich hatte dann etwas Angst, aufgrund meiner komischen Gedanken und Gefühle zum Stillen, dass es nicht klappen könnte. Ich war ja viel im Internet unterwegs und habe so oft von Frauen gelesen, wo es nicht klappte. 
Andererseits dachte ich mir ganz locker, das wird schon klappen. Einfach kein Stress machen. 


Unser Still-Start war etwas holperig.
Paul wog nicht viel, war 3,5 Wochen zu früh, hatte leichte Neugeborenen-Gelbsucht (Werte aber immer im Rahmen) und war so nicht der Kräftigste.
Was sich auf's Stillen auswirkte. Das erste Anlegen klappte prima, jedes Mal in den Stunden danach hingegen saugte er sich nicht richtig fest. Auch mit Stillhütchen nicht.

Paul bekam von Anfang an ein paar ml Aptamil Primergen in der Flasche. Ich hatte diesem eigentlich zunächst widersprochen. Hatte ich mir das doch von vornherein vorgenommen, dass Paul im Krankenhaus, wenn nicht zwingend nötig, keine Flasche bekommen sollte!
Und wenn, dann nur aus unserer Medela Flasche mit dem Calma Sauger.
Naja, was man sich so vornimmt und wie man dann tatsächlich entscheidet.
Die Kinderärztin trat extrem konsequent auf und vermittelte mir den Eindruck, als MÜSSE Paul auf jeden Fall die Flasche bekommen, damit er zu Kräften kommt.
Dabei war er ja nun nicht total kraftlos. Gesund und munter, sodass die Hebamme sogar "vitaler Junge" in das U-Heft schrieb, war er. Nur eben etwas schwächer...
Ich ließ es dann geschehen und eine Diskussion wegen der Art der Flasche wäre mir dann auch zu mühsam gewesen. Ich wollte mein wenige Minuten altes Baby einfach nur kennenlernen und genießen.
Ich dachte mir dann, wenn er durch die Flaschenmilch etwas mehr Kraft tankt, hat er diese ja auch für's Stillen und dann wird es schon klappen.
So war es dann auch. In der folgenden Nacht saugte Paul plötzlich wie ein Großer.

Stillen, 1 Tag alt
Ich pumpte übrigens auch ab, um den Milchfluss anzuregen und es war interessant, zu beobachten, wie langsam aber stetig immer mehr raus kam. Diese kostbare Vormilch bekam Paul dann per Spritze oder Flasche, als es dann mehr war, zugefüttert.
Dann hatte ich den Milcheinschuss, überhaupt nicht schmerzhaft oder unangenehm, welch ein Glück.
Paul hatte mir inzwischen die rechte Brustwarze verletzt. Innen. Da war nichts wund außen, deshalb brachte auch jegliches Einschmieren nichts.
Es wurde irgendwann so schmerzhaft, dass ich mich automatisch verkrampfte und die Zähne zusammen biss - also wirklich, ist jetzt nicht nur 'ne Redewendung.
Ich vermute mal, dass Paul dies merkte. Irgendwann, noch im Krankenhaus, streikte er bei der rechten Brust. Er wollte dort nicht trinken. Zuletzt schrie er die Brust richtig an, sodass ich mit weinte.
Als Lösung sahen wir dann das Stillhütchen. Welch eine Erleichterung. Es tat nicht mehr weh und Paul trank gut.
Einige Tage später dann entwickelte es sich aber so, dass er auch links nicht mehr trinken wollte. Zumindest nicht ohne Stillhütchen.
Also stillte ich fortan beide Seiten mit Hütchen. Fast 4 Monate lang. Immer wieder wagte ich Versuche, die Hütchen weg zu lassen, welche mit Streiken und Schreien quittiert wurden.
Das Stillen fand ich dann nicht so schlimm, wie in meiner vorherigen Vorstellung.
Aber schön fand ich es auch nicht. Konnte dem Ganzen nicht viel abgewinnen. Es war OK, Mittel zum Zweck. Das Kind ernähren. Die Frauen, die schwärmten: "Stillen ist ja soooo schöööön! Ich habe das immer so genossen." konnte ich nie verstehen.

Stillen 2 Tage alt
Ich weiß nicht, wie es dazu kam, aber eines Tages hielte ich dem Kampf stand. Er tat mir leid, keine Frage, aber ich wollte nicht mehr mit den Hütchen stillen. So ließ ich ihn die Brust anschreien, während er immer wieder versuchte, anzudocken. Ein Mal, zwei Mal, drei Mal und plötzlich saugte er sich fest und trank. Die Male danach gab es ganz kurz Theater, dann trank er. Danach klappte es dann astrein.
Und dann, eines Tages, war es so weit. Es gab da diesen einen Stillmoment, den ich ganz plötzlich ganz wunderschön fand. Ja, den ich sogar genoss.
Das war dann zwar nicht immer so, aber Stillen war ab da mehr, als Mittel zum Zweck. Es war Liebe. Mutterliebe und Verbindung.

Stillen 3 Tage alt
Ich war nie der Typ, der lange stillen wollte. Ein Kind weit über das erste Lebensjahr hinaus zu stillen, könnte ich mir nicht vorstellen. Spätestens ab dem Moment, wo es laufen kann, würde ich mich damit, glaube ich, nicht mehr wohl fühlen.
Mein eigentlicher Plan, vor der Geburt, war, 9 Monate zu stillen. In den letzten Monaten relativierte sich das dann schon auf ca. den ersten Geburtstag bzw. sobald er laufen kann.
Und dann, ganz plötzlich, wird mir die Entscheidung abgenommen. Einfach so. Vom Kind höchstpersönlich.
Sogar noch vor meinem eigentlichen Ziel, den 9 Monaten.
Paul ist nun 8 Monate alt und hat, außer nachts, keinen Bock mehr auf die Brust.
Überhaupt auf Milch. Wenn ich ihm dann eine Flasche gab, trank er diese zwar besser, als an der Brust, aber auch mit sehr wenig Leidenschaft.
An der Brust saugte er paar Mal, wand sich dann ab und wurde richtig wütend, wenn ich mich dann erdreistete, ihm die Brust wieder anzubieten. Mit den Händen drückte er diese weg und meckerte entrüstet.
Manchmal saugte er auch gar nicht mehr richtig, dockte sich also nicht an. Nuckelte bloß schmatzend ein bisschen rum. Es kam mir vor, als wäre der Saugreflex in diesem Moment nicht mehr recht vorhanden.
Und der Knaller war, als er vorgestern tatsächlich, WASSER der Brust vorgezogen hat.
Wasser... was er lange Zeit echt schlecht trank...
Drei Mahlzeiten hatten wir ja nun schon ersetzt, mittags, nachmittags und abends.
Morgens und Vormittags (und nachts) stillte ich bislang.
Da dies ja nun nicht mehr klappte und er eben auch die Flasche nur mühsam trank, bot ich ihm gestern erstmals als Vormittagsmahlzeit Brot an, dünn beschmiert mit Leberwurst.
Da hätte er sich dann am liebsten rein gelegt. Eine Scheibe hat er verdrückt.
Heute Vormittag sogar fast zwei Scheiben, allerdings hatte er auch die "Morgens-Mahlzeit" ausgelassen.
Tja, und so stille ich jetzt nur noch nachts.
Und ja, es macht mich echt ein bisschen traurig. Gehörte das Stillen nun doch seit Monaten fest zu meinem Alltag dazu.
Ist das Abstillen auch ein Abnabelungsprozess und noch einmal gefühlt ein großer Schritt gen Großsein. Da kommt einfach Wehmut auf.
Ja und nun sind sie bald vorbei, diese ganz besonderen Momente, die nur mir und ihm gehörten. Die wirklich nur wie beide zusammen erleben konnten.
So ganz loslassen mag ich das ja irgendwie nicht... Würde gern noch ein bisschen dran festhalten...
Aber ich denke mir auch: Besser hätte es nicht kommen können, als dass Paul selbst entscheidet. Das ist eigentlich ein ganz ganz großes Geschenk, welches ich nun versuche, dankend anzunehmen.
Nachts klappt es noch sehr gut, dennoch möchte ich nun zusehen, komplett abzustillen.
Auch wenn das nun wieder kontrovers zu dem ich, dass ich es vom Gefühl her eigentlich noch nicht aufgeben mag, aber da denke ich dann doch eher praktisch (zumal der Zeitpunkt eh irgendwann kommen wird und es mir dann wohl nicht anders gehen wird, als jetzt, also warum nicht jetzt schon?!).
Für einmal nachts Stillen lohnen sich die damit verbundenen Einschränkungen nicht.
Abends mal ein Bier trinken? Besser nicht, wer weiß, wann das Kind wach wird und trinken möchte.
Mal feiern gehen? Nur mit müßigem Abpumpen verbunden.
Freie Medikamentenwahl?
Und, vor allem: Wenn ich abgestillt habe, kann ich wieder Blutplasma spenden gehen, was ich lange Zeit vor der Schwangerschaft tat.
Und da mich gerade eine immens hohe Tierarztrechnung (über 600 Euro) erreichte und dies nicht die letzte gewesen sein wird, kann ich wohl jeden Euro gebrauchen.
Plasma spenden ist für mich einfach eine sehr komfortable Möglichkeit, Geld zu verdienen.
Man muss nur zu einer guten Zeit dort auftauchen, dann hat man wenig Wartezeit. Im besten Fall war ich in etwas über einer Stunde durch dort.
24 Euro gab es jedes Mal (zumindest, solange ich über 80 kg wiege *lach* darunter gibt es dann 21 und unter 70 kg 18 Euro) und während des Spendens habe ich auf meinem kindle gelesen :)
Zudem tut man irgendwie noch Gutes...

Ich bin dann mal gespannt, wie sich das komplette Abstillen nun gestalten wird. Bisher hat meine Brust das alles gut mit gemacht, ohne zu voll zu werden oder gar einen Milchstau zu entwickeln.

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