Mittwoch, 9. Oktober 2013

Der Mama-Magnet

Da haben wir sie nun. Die anhängliche Phase.
Paul lernt die Verlustangst kennen.
Mama ist genervt, reagiert aber verständnisvoll :)

Seit ein paar Tagen hat Paul sich im Wesen verändert.
War ich vorher noch so froh über seine durch das Robben neu gewonnene Zufriedenheit - teilweise beschäftigte er sich bis zu einer Stunde allein auf dem Boden - klebt Paul nun an mir, wie nie zuvor.
Und ich sage euch, das ist teilweise echt anstrengend.
Ich darf nicht aus dem Raum gehen.
Nur, wenn Papa da ist. Dann wird nicht sofort gejammert.
Ansonsten höre ich unmittelbar, nachdem ich aus seinem Sichtfeld verschwunden bin, ein verzweifeltes Krähen.
Und fast jedes Mal denke ich mir: " Oh man, nicht schon wieder!"
Schaue ich in sein schmerzverzerrtes, verzweifeltes, trauriges Gesicht, tut er mir sofort total leid.
Schnell nehme ich ihn dann auf den Arm und tröste ihn. Meist ist die Welt dann auch wieder ganz schnell in Ordnung für ihn.
Tja, was heißt das? Ich kann kaum allein auf die Toilette gehen.
Oder etwas in die Küche bringen. Oder oder oder...
Inzwischen sehe ich schon immer zu, mich hinaus zu schleichen.
Doch egal, wie voller Begeisterung er gerade mit einem Spielzeug beschäftigt ist, es dauert nicht lange, da merkt er es.
Und sofort geht die Sirene an und er setzt sich in Bewegung, robbt jammernd und weinend hinter mir her.
Würde ich einen Rock tragen, er würde an meinem Rockzipfel kleben.
Und ja, wie gesagt, es ist anstrengend und zerrt auch etwas an den Nerven.
Ich bin halt auch nur ein Mensch. Fühle mich momentan extrem eingeschränkt.
Freue mich dann immer über meine Stunden beim Pferd, wo ich mal Kraft tanken kann.
Ich versuche immer, ganz schnell wieder für Paul da zu sein, wenn er so verzweifelt weint.
Er soll ja wissen, dass ich nicht verschwinde. Dass er keine Angst zu haben braucht. Dass ich wieder komme. Für ihn da bin. Ihn nicht alleine lasse mit seiner Angst.
Zum Glück - kann ich nur sagen - ist er recht entspannt, wenn der Papa da ist.
Sonst könnte ich mir meine alleinigen Ausflüge zum Pferd wohl abschminken.
Heute Abend, als Papa da war, ging ich in die Küche, um zu saugen. Er war mit Papa im Wohnzimmer.
Plötzlich hörte ich ihn. Näher dran. Der war nie und nimmer noch im Wohnzimmer.
Wenig später hatte er schon fast die Küchentür erreicht.
Wow, da ist er einmal komplett aus dem hinteren Teil des Wohnzimmers durch dieses und den Flur hinter mir her gerobbt.
In freundlicher Stimmung jedoch. Gar nicht jammernd. Und als er mich sah, lachte er. Und interessierte sich dann für den Staubsauger.
Da geht mir ja dann so das Herz auf, wenn mein Kleiner hinter mir her kommt und so eine weite Strecke hinter sich legte So weit kommt er ja sonst nicht, da er mehr mit Jammern denn mit Robben beschäftigt ist.
Ich gehe stark davon aus, dass er deshalb nicht weinte, weil eben Papa mit im Wohnzimmer war.

Er sucht auch ganz viel meine Nähe. Klettert auf mir rum, wühlt an mir rum, ich habe manchmal das Gefühl, als wolle er in mich hinein krabbeln.
Wenn er abends wach wird, so wie eben, ist auch nur Mama angesagt. Sobald ich wieder ging, weinte er kurze Zeit später.
Ende vom Lied war dann, dass ich mich eine ganze Weile neben ihn (in meinem, nicht in seinem Bett, wohlgemerkt) legen musste, bis er endlich, nach vielem Aufweinen, wieder eingeschlafen ist.
Wenn ich in solchen Momenten doch nur wüsste, wie ich ihm helfen kann. Aber mehr, als bei ihm sein, für ihn da sein, kann ich wohl nicht.
Ich bin gespannt, wie lange diese Phase anhält, und ob sie auch das Fremdeln einläutet.
Bisher flirtet er noch gern mit (fast) jedem Menschen. Mag aber nicht mehr in jeder Situation bei anderen auf dem Arm sein.
Nun, ich bin gespannt. Bisher geht meine Tendenz ja eher dahin, dass er nicht, oder nur wenig fremdeln wird. Aber man weiß es ja nie. Aus dem größten Strahlemann kann ein total fremdelndes Kind werden. Wir dürfen gespannt sein.

Anbei noch der Schnappschuss des Tages:
Paul inspiziert den Kinderwagen seines zukünftigen besten Kumpels:

leider nur ein Handyfoto, wie gesagt, Schnappschuss :)

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen