Mittwoch, 28. August 2013

Verspätet: Heute vor einem Jahr oder "Mädchen oder Junge"

Ich weiß gar nicht, was mit mir los ist, die Zeit rennt und ich kriege es gar nicht mit.
Habe gar nicht bemerkt, dass am Wochenende schon der August vorüber ist, Umzugstermin für mein Pferd. Meine Freundin erinnerte mich dann daran, hätte ich es sonst womöglich vergessen?
Am Freitag vor einem Jahr (letzte Woche Freitag versteht sich) war der wohl gravierendste Termin bei meiner Frauenärztin.
Denn da prognostizierte sie, aufgrund kleinster Details, einen Jungen. Und, wie wir alle wissen, behielt Recht. 
Irre, oder? Ich war da erst in der 13. Woche, Anfang 13. Woche, 12+1 um genau zu sein. Faszinierend.

Paul bei 12+1

Ich möchte euch ehrlich erzählen, dass ich mir "früher" immer sehr ein Mädchen gewünscht habe.
Um es vorweg zu sagen: Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich mit einem Mädchen glücklicher wäre.
Paul hat mir gezeigt, dass ich ebenso gut (oder vielleicht gar eher) eine Jungsmami bin. 
Er hat mir gezeigt, wie egal das ist, welches Geschlecht das eigene Kind hat. Schon in der Schwangerschaft und erst recht jetzt. 
Er hat mir gezeigt, wie toll Jungs sind (oder nur er? *lach*, nein, natürlich nicht).
Und dafür danke ich ihm. 
Er hat mein Herz geöffnet, er hat meinen Kopf gewaschen, meine Einstellung komplett verdreht.


Paul bei 12+2

Letztens, in einem Forum, kam das Thema auf. Eine junge Frau, die bereits einige Fehlgeburten erlitt, erlebt zum ersten Mal eine intakte, andauernde Schwangerschaft.
Bekommt ein Outing: "Junge".
Und ist etwas "geknickt", weil sie sich immer ein Mädchen gewünscht und vorgestellt hat. 
Von einer anderen Mama bekam sie einen Rüffel.
Wie sie so denken könne, sie solle doch froh sein, dass diese Schwangerschaft nun gut geht.

Von mir bekam sie einen Text, den ich hier mit euch teilen möchte:

"Bevor ich je schwanger wurde, habe ich mir ganz extrem ein Mädchen gewünscht. Im Spaß habe ich sogar gesagt, einen Jungen würde ich zur Adoption frei geben.
Ich war mir aber ganz sicher, ich würde ein Mädchen bekommen. Haben sie ja "alle" vor mir, meine Mutter, meine Oma, meine Uroma... 
Ich habe mir nicht deshalb ein Mädchen gewünscht, weil ich finde, dass man die süßer anziehen kann (was aber Fakt ist *lach*), sondern, weil ich Mädchen einfach immer schon lieber mochte, als Jungs. Ich fand sie immer süßer, netter, sympathischer. Meine Arbeitszeit im Kindergarten bestätigte mir dies noch einmal. Die Jungs? Puh... nee... so einen will ich nicht haben 
Dann war ich schwanger und ganz so extrem war es da nicht mehr, dennoch hatte ich Angst vor einem Outing. Was, wenn es ein Junge würde? Könnte ich mich freuen?
Wie du weißt, verließ uns das Baby in der 11. oder 12. Woche.
Das Geschlecht erfuhr ich nie, natürlich nicht. 
Ich dachte daran, dass es vielleicht ein Junge war und er deshalb gegangen ist, weil ich mir so sehr ein Mädchen gewünscht hatte.
Bei der zweiten Schwangerschaft war es dann schon ganz anders. 
Ja, der Mädchenwunsch war nach wie vor präsent, aber es war nicht mehr so wichtig. Einzig wirklich wichtig war, dass es bleiben würde. 
In der 13. Woche fragte ich meine FÄ, wann sie denn eine Prognose abgeben könnte, was das Geschlecht angeht. 
Oh, sie könnte schon jetzt eine Vermutung anstellen... Ich dachte nur, bitte, bitte ein Mädchen.
Sie erklärte mir dann, woran man es in dieser frühen Woche erahnen könne, nämlich an der Ausrichtung der Geschlechtsknospe. 
Und als sie so sagte, wenn die Knospe etwas hoch steht, dann...
- dachte ich nur, sag Mädchen, bitte sag jetzt Mädchen, denn ich sah es, die Geschlechtsknospe stand hoch, ganz eindeutig.
Aber sie sagte Junge. Und ich dachte mir nur: Das war ja klar.
Aber ich war nicht traurig. 
Trotzdem, so gebe ich zu, hoffte ich die folgenden Wochen, dass sie mit ihrer Vermutung Unrecht hatte... 
13. Woche - das ist doch noch verdammt früh. Außerdem hatte sie sich bei ihren letzten beiden frühen Prognosen geirrt... davor allerdings hatte sie eine ziemlich lange Trefferphase.
Dann, in der 16. Woche, fragte ich erneut nach dem Geschlecht. 
Und komischerweise hoffte ich da schon gar nicht mehr so ganz doll, dass sich eine Änderung ergeben würde. 
Klar, es war weiterhin ein Junge und ganz unerwartet durchzog mich ein Glücksgefühl.
Und ich lief den ganzen Tag mit einem Grinsen durch die Gegend. 
Ich fand es einfach auch toll und wichtig, nun zu wissen, wer da in mir lebt. 
Die Namenssuche konnte auch beginnen...
Und ich fragte mich, wo eigentlich meine Enttäuschung blieb. 
Und vielleicht war es ganz gut, es so früh schon zu wissen.
Trotzdem, das gebe ich zu, ist es noch heute manchmal so, dass ich denke: War ja klar, DIE kriegt natürlich ein Mädchen...
Ansonsten bin ich endlos glücklich über und mit meinem Jungen. Ich, die einen Jungen eigentlich zur Adoption frei geben wollte *lach* 
Paul ist so großartig, mit allen seinen positiven wie negativen Eigenschaften.
Er ist ein recht "Wilder" und ich kann wohl stark davon ausgehen, dass er genau so ein Junge wird, wie ich mir nie gewünscht hätte. 
So einer, der unmotiviert schreiend durch die Gegend rennt und kämpft und laut und wild ist.
Und weißt du was? Inzwischen finde ich das gut. 
Ja, er soll so werden... so, wie er möchte. 
Und wenn Jungs sich dadurch auszeichnen, dann soll er so werden. Ein echter Kerl halt.
Als Baby merkt man eh keinen großen Unterschied zwischen Mädchen und Junge und man liebt sein Kind so abgöttisch, dass man sich schon schnell fragen wird, wie man sich eigentlich ein bestimmtes (das andere) Geschlecht wünschen konnte. 
Baby ist Baby. Eigenes Kind ist eigenes Kind. Liebe ist Liebe. BEDINGUNGSLOS!
Ich habe schon am zweiten Tag überlegt, wie es wohl wäre, wenn da jetzt ein Mädchen liegen würde und ich dachte nur: 
Oh Gott, nein! Ich möchte hier gar kein Mädchen liegen haben. Hier soll genau DIESES Baby liegen. Mein Paul. Mein Junge!
Und jetzt kommt etwas, was ich niemals zuvor für möglich gehalten hätte.
Ich würde mich auch über einen zweiten Jungen sehr freuen, insbesondere, wenn der Altersabstand nicht so groß wäre. Ein kleiner Bruder für Paul zum Spielen. Ja. Gerne.
Jungs sind toll. Ist so :)
Klar, ein bisschen mehr wünsche ich mir das Mädchen, aber wenn nicht, freue ich mich - zumindest aus jetziger Sicht - ganz genauso über einen Jungen.
DAS hat Paul geschafft."

Kommentare:

  1. Hui...:schwangerschaftshormone, herzlich willkommen *heul* Das hast Du super schön geschrieben....jeder hat wohl irgendwie einen Geschlechtsfavoriten, wobei wir das nicht wirklich hatten...uns wars egal...wir dachten aber wir hätten in jedem Fall einen Jungen....als der Arzt dann Mädchen sagte, waren wir total verwirrt - aber glücklich. Der Chaos- Mann hat sich den Spaß gemacht und bis jetzt bei jedem Termin nachgefragt obs immer noch ein Mädchen is. Aber er freut sich wahnsinnig und wäre es jetz spontan ein Junge...wäre das sicher auch merkwürdig!
    Es gibt so viele Frauen, die dieses Glück nicht erleben dürfen...deshalb finde ich es fast unverschämt, wenn Frauen wie oben, dann Ansprüche stellen, anstatt sich dieses Glücks bewusst zu sein! Es ist ein Geschenk, ob Junge oder Mädchen....wobei ich es natürlich bis zu einem gewissen Grad verstehe....es ist toll zu sehen, was Kinder mit einem machen und ich bin so gespannt auf mein Mädchen....:-)

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    1. Oh nein nein, sie hat keine Ansprüche gestellt, ach Mensch, ich wollte das doch noch dazu schreiben *anKopffass*
      Sie hat sich selbst dafür geschämt, gerade aufgrund ihrer Vergangenheit mit den Fehlgeburten. Sie ist nach wie vor hyperängstlich und kann noch immer nicht glauben, dass es diesmal gut geht, freut sich nach jedem Termin wie sonst was, dass mit dem Baby alles OK ist.
      Es war aber eben da, dieses Gefühl, dass sie sich mehr ein Mädchen gewünscht hatte...
      Und gegen Gefühle kann man ja leider nichts machen, die sind irrational...
      Nach einigen Tagen war es bei ihr aber wie bei wohl den meisten, sie freute sich genauso über Junge wie über Mädchen :)

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  2. Schön geschrieben!
    Ich habe mir auch immer mehr ein Mädchen gewünscht, als ich dann aber schwanger war, dachte ich einfach: Hauptsache gesund! :)
    Ich hatte allerdings von Anfang an im Gefühl, dass es ein Mädchen werden würde, und dem war dann auch so. ;)
    Viele liebe Grüße

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  3. Ich bin ja eigentlich ne Jungs-Erzieherin. Total! Ich wollte auch auf gar keinen Fall ein Mädchen, da das ja meistens nur herum zickt. Und dann noch die Mutter-Tochter-Probleme. Grusel! Na ja... frau soll auch wachsen am Kind. So sind oft die Kinder hektischer Mütter richtige "Schlaftabletten". Zum Beispiel. :D Und ich sollte an meinem Mädchen wachsen und etwas über den Tellerrand gucken. Ich bin so glücklich darüber, dass es ein Mädchen ist!!! EIn Junge wäre niemals so wie sie. Am wichtigsten ist aber echt, dass die SChwangerschaft reibungslos verläuft und ein gesundes Baby rauskommt. Egal ob Junge oder Mädchen!
    Ich finde es toll, dass du ihr so einen persönlichen Text geschickt hast, ohne sie anzugreifen oder so. Denn mal ehrlich - (fast?) jeder hat doch mal solche Gedanken. Zumindest mal kurz!?

    Pferdi zieht um? Fast vergessen? Eieiei! Stilldemenz, ne!? :D

    Liebe Grüße
    Tanja

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  4. Ich bin nach dem Outing beim FA im Auto in Tränen ausgebrochen, weil es ein Junge und eben kein Mädchen war. Und habe mich direkt bei diesem kleinen Würmchen im Bauch entschuldigt *lach* Das waren auch die Hormone.
    Und nun habe ich drei Jungen - und finde das ganz großartig!
    Liebe Grüße
    Julika

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  5. Liebe Jenny,

    danke für deinen Kommentar auf meinem Blog! Toller Kinderwagen, ich habe auch geantwortet :-)
    hoffe, der Link klappt: http://www.my-boo-poo.blogspot.de/2013/08/the-next-collection.html#comment-form

    Liebe Grüsse!
    Kathi

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