Donnerstag, 22. August 2013

Die Sache mit der Beikost

Hallo liebe Leser!
Heute widme ich mich dem Thema Beikost und der Erfahrung, die wir damit bisher gemacht haben.
Es folgt ein relativ ausführlicher, längerer Erfahrungspost.

Alles begann mit dem Möhrenbrei, als Paul etwas über vier Monate alt war.
Es war ja nur ein reiner Versuch, "aus Spaß", der Paul aber sehr gefiel. Trotzdem war es mir noch wesentlich zu früh, deshalb stillte ich weiter voll.
Wollte ich auch eigentlich bis zu seinem 6. Monatsgeburtstag durchziehen, wobei ich ihm zum Lutschen hin und wieder mal ein Stück Gurke gab.


Wäre da nicht der kleine essfreudige Paul gewesen.
Eines Tages, er war 5 Monate und 1 Woche alt, saßen wir mit den Eltern meines Freundes am Frühstückstisch, wo Paul bald zu zicken begann.
Ich hab ihm mein Brötcheninneres gegeben, welches mir aber dann doch zu sehr krümelte, so nahm ich es ihm wieder ab.
Keine gute Idee. Es gab großes Protestgemeckere und erst, als ich ihm ein Stück von einer Brötchenhälfte abschnitt und ihm gab, war Ruhe. Höchst zufriedene Ruhe.
Später, als ich ihn auf den Schoß nahm, riss er mir fast mein Leberwurstbrötchen aus der Hand.
Im Übrigen gierte er ein Wochenende zuvor beim Grillabend auf einen Schafskäse-Olive-Spieß.
Mit offenem Mund und gierigen Geräuschen beugte er sich gen Spieß.

Nun, in diesem Moment am Frühstückstisch entschieden wir: Das Kind bekommt nun Brei.
Eindeutiger kann er eigentlich nicht mehr zeigen, dass er essen möchte.
Ich wollte es langsam und vorsichtig angehen und hielt mich die ersten drei Wochen an diesen "Fahrplan".
Erst gab's eine Woche Gemüse, dann eine Woche Gemüse mit Kartoffeln (ja, ist ja auch Gemüse) und dann eine Woche Gemüse, Kartoffeln, Fleisch.
Möhre mochte er lieber als Pastinake, was ich auch durchaus verstehen konnte.



Alles aus'm Gläschen, fand ich für den Anfang besser, da streng kontrolliert und mir das selbst kochen bei den anfänglichen Mengen etwas zu müßig war *lach*
Er vertrug das alles sehr gut.
Probierte dann bisschen aus mit den Gläschen, manches mochte er, manches mehr, manches weniger oder gar nicht. Selten schaffte er ein ganzes Gläschen, sodass ich immer noch viel stillte.
Ich kaufte ihm auch so Zeug wie Reiswaffeln (wobei da ja soviel Arsen drin sein soll, weshalb ja von denen wieder abgeraten wird), Dinkel-Zwieback und Hirsekringel für Babys.
Ich stellte schnell fest, dass er es viel besser findet, seine Nahrung selbst in der Hand zu halten.
Die "breifrei-Veranstaltung" am 15. August sehnte ich also sehr herbei.
Sie war dann sehr informativ, jedoch fehlte mir der Input bzgl. der Praxis. Ich fragte dann einiges nach, doch viel Fragen kommen erst auf, wenn man es praktiziert.
Zum Beispiel, ob es normal ist, dass so ein kleiner Wurm sich gleich zwei Mal hintereinander eine ganze Penne Rigatoni in den Mund schiebt und diese auf wundersame Weise im Magen landet.
Was zwischen Lippen und Speiseröhre passiert ist, lässt sich nur erraten und erhoffen: Nämlich, dass sie zumindest in 3 kleinere Stückchen zerteilt wurde.
Ja, ja, wirklich passiert. Wir haben nicht schlecht gestaunt.
Mein Versuch, so eine ganze Nudel zu schlucken, schlug nämlich völlig fehl.
Vorsichtshalber machte ich die Nudeln dann aber doch lieber klein und fütterte ihn damit.
Hier stellte sich mir dann aber wieder die Frage, ob das OK so ist... wenn er gar nicht richtig kaut. Ich kann das ja nicht nachprüfen, ob er kaut.
Die Stücke waren immer schnell weg, wenige Mundbewegungen konnte man aber erkennen. Kauen?!

Schnell stellte sich heraus, dass BLW in seinem eigentlichen Sinne (noch?) nichts für Paul ist.
Erst einmal ist es sehr hinderlich, dass Paul noch nicht sitzen kann. Seinen Hochstuhl kann man ja nach hinten kippen, sodass er wie in einer Auto-Babyschale sitzt.
Aus dieser Position heraus kann man aber keinen Teller vor ihn stellen. In aufrechter Position sitzen lassen habe ich auch versucht, man sagt ja, für eine Mahlzeit sitzen sei dann mal OK, aber da war er doch zu sehr beschäftigt damit, sein Gleichgewicht zu halten.
Zum anderen versteht er es irgendwie noch nicht recht, dass man das Essen vom Teller nimmt. Er reißt dann den Teller an sich und beißt in diesen hinein.
Selbst wenn das Essen vor ihm liegt (ohne Teller), kapiert er es nicht recht.
Und dann wird er wütend. Sehr wütend. Beim Essen kennt er keine Geduld.
Also gebe ich ihm das Essen in die Hand. Brokkoli- und Blumenkohlröschen, Kohlrabistäbchen, Gnocchi oder Nudeln.

Kartoffel sind ein echtes Problem, die rutschen ihm schnell aus der Hand, oder er beißt zu große Stücke ab, die auch häufig daneben landen.
Also habe ich nun immer Kartoffelpüree gemacht, ihm nen Löffel in die Hand gedrückt und immer wieder mit dem Finger neues Püree rauf geschmiert.
Ich lasse ihn dann, sofern das Essen es zulässt (bei manchen Mahlzeiten geht nur füttern), immer zunächst selbst essen, wobei ich es ihm halt immer in die Hand gebe und wenn ich meine Mahlzeit dann beendet habe, wird er mit dem Rest, den ich dann mundgerecht klein mache, gefüttert.
Alles, was er bisher vorgesetzt bekam, isst er. Ich frage mich, ob es nun daran liegt, dass noch nicht alle Geschmacksnerven ausgereift sind, oder ob ich hoffen darf, dass er ein unkomplizierter Esser wird :)

Er isst nun also quasi vom Tisch mit.
Das war es, was ich von der Veranstaltung nämlich mitgenommen habe: Einfach machen, einfach ausprobieren.
Folgende Gerichte hat Paul nun schon mit gegessen:

  • Brokkoli und Kartoffeln
  • Kohlrabi und Kartoffelpüree und (bisschen) Wiener Würstchen
  • Blumenkohl, Kartoffelpüree und (ganz bisschen) Fisch
  • Penne Rigatoni mit (bisschen) Tomaten-Pecorino Soße
  • Gnocchi mit Kirschtomaten und Goudakäse
  • Senfeier (naja, eigentlich Kartoffeln mit bisschen der Soße und ganz wenig Ei, bekam er schlecht gekaut)
  • Rahmspinat mit Kartoffelpüree und bisschen Rührei

Was wirklich SEHR interessant zu beobachten ist:
Man sieht und merkt Paul die wesentlich größere Freude an meinem gekochten Essen - im Vergleich zum Gläschen - und wenn er es irgendwie selbst halten darf, total an.
Er macht ganz viele niedliche und zufriedene Geräusche während des Essens. Nahezu in einer Tour. Bei Gläschen macht er kaum Geräusche. Wirklich, die Freude steht ihm ins Gesicht geschrieben. 
Und er isst besser, also auch mehr.
Was mich darin bestätigt, es so richtig zu machen.
Und die Kombination aus erst alleine anfassen und essen und danach füttern finde ich für uns optimal. So kann er das Essen mit allen Sinnen erfassen und wird aber durch das Füttern danach auch satt - was soweit ja auch in seinem Interesse liegt, er möchte ja so gerne essen, schafft es aber ganz allein eben noch nicht in der gewünschten Menge.

Und alles, was wir essen, lasse ich ihn auch mal kurz probieren. Vor ein paar Tagen griff er sich z. B. den Rest der Entenkeule, die ich im Restaurant verspeiste.



Am allerliebsten isst er zerdrückte Banane mit Wasser. Eine ganze Banane ist so schnell weg, so schnell kann man kaum gucken. 
Ich frage mich immer, wie eine ganze Banane in so ein kleines Kind passen kann - und das Kind, das würde sicher sogar noch eine zweite essen. 
Da giert er richtig und wird schnell richtig böse, wenn ich nicht schnell genug füttere. Reißt den Mund schon auf, sobald er den Löffel nur sieht, ja, Banane ist voll sein Ding.
Manchmal spielt er natürlich auch mit dem Essen, prustet zum Beispiel, wenn er gerade Essen im/vorm Mund hat und hin und wieder isst er auch gerne mal mit Händen UND Füßen.

Er wird generell nur in (voller, da die hinterher entsorgt werden muss) Windel gefüttert und hinterher im Waschbecken abgewaschen. 



Wir brauchen dringend noch ein ordentliches Ärmellätzchen. Ich hatte eins gekauft, Fehlkauf! Total starres Material. 
Ich bin noch nicht ganz schlüssig, welches es werden soll. Es soll eines sein, welches man gut abwischen kann, also nicht nach Benutzung in die Waschmaschine muss. Eins aus Regenjacken-Material zum Beispiel.
Die verschiedensten Ärmellätzchen, z. B. IKEA, Lässig, Baby Björn, Bibetta haben verschiedene Preise und Bewertungen... wie soll man da das richtige finden?
Oder auch doch lieber eines, mit Stoff wie von sillybillyz oder Playshoes, damit das Essen haften bleibt und nicht am Material runter rutscht?
Eigentlich wäre ja schon eines sinnvoll, welches relativ lang ist, denn oft ist er wirklich von oben bis unten eingesaut, er bepatscht sich dann gerne mit seinen beschmierten Händen am ganzen Körper.


Da wir ja IKEA nebenan haben, geht meine Tendenz dahin, die von dort einmal zu probieren. Kann man dann ja auch später gut als Malkittel benutzen.

Ich selbst stehe momentan ganz schön vor zwei Herausforderungen:
Zum einen: Was koche ich? Es muss ja halbwegs Paul-tauglich sein, da fallen schon einige Gerichte raus.
Zum anderen: Wie schaffe ich es, feste Zeiten für's Mittagessen einzuhalten?
Das Problem ist, dass Paul sehr unterschiedlich nachts/morgens Hunger hat. Und danach richtet sich ja der weitere Tagesablauf. Stille ich ihn morgens gegen 6 Uhr, ist es eigentlich perfekt, dann bekommt er zwischen 12 und 13 Uhr Mittag. Ich esse mit, denn mir ist es sehr wichtig, dass wir unsere Mahlzeit gemeinsam einnehmen.
Gerade in den letzten Tagen - wo Paul echt unregelmäßig Hunger hatte, kam es so nun häufig erst zwischen 13 und 14 Uhr zum Mittagessen. 
Außerdem muss ich zugeben, dass ich immer schon ein spät-Mittagesser war. Sicher wäre es manchmal  in Bezug auf seine Mahlzeit-Pausen machbar, früher zu essen (nach 2 Std hat er bestimmt Hunger, wenn er erstmal am Tisch sitzt), aber vielleicht bemühe ich mich da dann auch nicht genug.
Es gibt also noch genug zu arbeiten ;)


Kommentare:

  1. Oh ein toller Post- und soooo passend!!! Ich hab die letzten Tage immer wieder drüber nachgedacht wies hier jetzt weiter geht... ich glaube ich sitze sonst in einem halben jahr noch mit der mausi und ner schüssel möhrenbrei da! Ich weiß nicht so recht was jetzt mein nächster schritt ist! seit 3 wochen gibts jetzt brei (1 woche reine Möhre, 1 Woche Kartoffel und die letzte Woche gabs mal Pastinaken statt Möhre und heute mal ein Gläschen mit Buttergemüse und Süßkartoffel) Morgen will ich mal ein Gläschen mit Fleisch probieren, aber da ist dann auch wieder ein Gemüse dabei dass wir noch nicht probiert haben... aber ich kann ja nun nicht wochenlang jedes Gemüse austesten ehe ich mal weiter machen....schwierig! Aber von unserem Essen möchte ich sie ungern essen lassen, bin da bissl vorsichtig wegen der Gewürze und Zusatzstoffe wenn auch Fertigfutter dabei ist! Alles nicht so einfach.... aber vielen Dank für deinen Einblick

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  2. Hallo Sandra, die Gewürze machen wir nur sehr sparsam oder sogar erst nachträglich an das Essen dran oder wir machen noch eine extra ungewürzte Portion. Hängt vom jeweiligen Essen ab. - Vom Fertigfutter lassen wir in jedem Fall auch die Finger.

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  3. Viele Fragen.. aber auch schon viele tolle Erfahrungen! Einfach machen! Das ist genau richtig. Und noch brauchst du keinen Teller hinstellen,finde ich. Du hast doch einen Tisch, auf dem du das Gemüse oder so legen kannst und es nicht runterfallen kann? Also Babystuhl-Tisch? Leg einfach auch etwas drauf, ein anderes Stück drückst du ihm in die Hand.. Irgendwann versteht er das dann schon und bedient sich vom Tisch, später vom Teller. Bis der Teller tatsächlich liegen bleibt, vergehen Mooonate. JEdenfalls hier.;)
    Kalea sah immer aus..von oben bis unten voll. Eigentlich war alles matschelig. Ich auch. Da muss man wohl durch. Es war aber super lustig zu beobachten, wie sie das Essen entdeckte. Matschen tut sie immer noch gerne. Ab und an.. eigentlich vor allem dann, wenn sie satt ist.
    Anfangs habe ich ja fast normal gekocht, nur vor dem Würzen das Essen auf Kaleas Teller - so konnte es auch gleich abkühlen. Fleisch habe ich noch zusätzlich gegart. Hühnchen oder Minifrikadellen - ungewürzt. Anfangs war ich auch so unsicher,ob ich nun würzen soll, wie viel überhaupt... Frische Kräuter gab es relativ früh - ihr schmeckte das dann einfach auch besser. Ungewürztes Hühnchen ist auch echt öde... :D
    Feste Zeiten kamen auch mit der Zeit. Je nach SChlafenszeiten. Die sind ja nun fest, deswegen kann ich auch feste Mahlzeiten einhalten. Anfangs habe ich eben noch gestillt etc., sodass Kalea nicht nur auf das Essen angewiesen war, so auch nicht total hungrig schlafen gehen musste. Das macht BLW ja auch aus, dass die Kinder langsam selbst abstillen.

    Ich finde jedenfalls, dass ihr das super macht. Aber das habe ich ja schon gesagt, gell!? :)

    Liebe Grüße
    Tanja

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    1. Man... irgendwie lief es mit dem Schreiben heute nicht gut. Sorry! :D

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