Freitag, 19. Juli 2013

Heute vor einem Jahr...

... hatte ich (endlich) wieder einen Termin bei meiner Frauenärztin. Zuvor war sie ja im Urlaub.
... hatte ich eine recht aufregende Zeit hinter mir.
... wurde - höchstwahrscheinlich - das Rätsel gelöst.

Ich freute mich irre auf den Termin. Und meine Frauenärztin freute sich für mich mit, dass ich so schnell wieder schwanger war.
Sie sprach mich darauf an, dass ihr Kollege mir ja mitgeteilt hatte, dass er festgestellt hatte, dass meine Gebärmutter aus zwei Hörnern besteht.
Ja, hatte er. Aber er sagte, dies sei nicht schlimm.
Nun, meine Ärztin klärte mich da etwas genauer auf und vermutete, dass es durchaus möglich sei, dass die Fehlgeburt aufgrund dieser Gebärmutterfehlbildung zustande kam.
Dies können Gründe sein wie z. B. dass der Embryo oben in einem der Hörner liegt und eines Tages, ab einer gewissen Größe, keinen Platz mehr zum Wachsen hat.
Oder aber auch, dass sich die Plazenta schlecht platziert hat, an der "Trennwand" und es somit zu keiner ausreichenden Versorgung kommen kann.
Der "Uterus Bicornis" ist quasi herzförmig und in der Mitte bildet sich eine Trennwand, die unterschiedlich lang ausgeprägt sein kann.
Meine Ärztin beruhigte mich, dass sie nicht glaubt, dass meine Gebärmutter richtig geteilt ist. Es wird schon alles gut gehen diesmal.
Hinterher kamen mir viele Gedanken.
Jede Frau, die eine Fehlgeburt erleiden musste, stellt sich die Frage nach dem "Warum". Da gibt es viele Warums.
Warum ist das passiert? Warum mir? Warum so "spät"? Das Baby war doch schon voll entwickelt...
Ich hatte es gewusst, dass irgendetwas bei mir nicht stimmt. Ich wollte mich nicht mit dem Gedanken "Pech", "Laune der Natur" anfreunden.
Da hatte ich meine Erklärung. Natürlich konnte niemand dies mit Sicherheit sagen, aber der Zufall wäre einfach zu groß, denn bei dieser Gebärmutter besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten.
Und plötzlich kam mir dieser schreckliche Gedanke, diese Erkenntnis: Wahrscheinlich war mein Baby kerngesund. Und musste sterben. Wie grausam!
Seit Pauls Geburt, wo die operierende Ärztin während des Kaiserschnitts ja tatsächlich feststellte, dass meine Gebärmutter zu knapp 2/3 geteilt ist, weiß ich, dass dies wohl bittere Realität ist.
Und das schlimmste. Es kann jederzeit wieder passieren.
Aber es kann auch gut gehen, wie man an unserem Sonnenschein sieht. Dieses Glück macht alles Unglück wieder wett. Ein Blick in seine strahlenden Augen und ich weiß, wofür es sich jederzeit zu kämpfen lohnt.

Vor dem Ultraschall war ich sehr aufgeregt.
1,5 Wochen zuvor hatte ich eine leichte Blutung und fuhr ins Krankenhaus. Der Arzt dort, wenig empathisch, machte mich verrückter, als ich es vorher war.
"Ich sehe eine Fruchthöhle, aber keinen Embryo mit Herzschlag."
Dass man in der 6. Woche diesen noch gar nicht sehen muss, hatte er in seinem Studium wohl nicht gelernt. Ich habe nicht wirklich erfahren, ob er nun gar keinen Embryo sieht, oder einen ohne Herzschlag.
Sehr irritierend, da wenige Tage zuvor beim Kollegen meiner Ärztin definitiv "irgendetwas" in der Fruchthöhle zu sehen war.
Zur Bestimmung des hcg Wertes wurde mir noch Blut abgenommen.
Der Arzt machte mir wenig Hoffnung (ehrlich jetzt! Fand er auch nicht so schlimm. Es enden ja einige Schwangerschaften in Fehlgeburten, beim nächsten Mal klappt es dann halt.)
Am nächsten Tag ging ich wieder zu dem Kollegen meiner Ärztin, ich fand einfach keine Ruhe.
Das "irgendetwas" war gewachsen und nannte sich nun Embryo. Herzschlag nicht erkennbar, aber in der 6. Woche ja auch noch nicht zwingend notwendig.
Zwei Tage (Erster Tag der 7. Woche) später war ich noch einmal in dem Krankenhaus, erst zur Blutentnahme und dann nachmittags noch zum Ultraschall. Der hcg Wert war vorbildlich gestiegen und am Nachmittag konnte man das Herzchen flackern sehen.
Dies war einer dieser ganz besonderen Glücksmomente.
Die Ärztin dort war so niedlich. Sie betonte mehrmals, dass es sein könnte, dass dies der Herzschlag ist, sie sich da aber nicht festlegen will.
Aber ich wusste es. Wusste ja noch, wie es beim Engel ausgesehen hatte. Das war das Herz. Pauls Herz. Ganz eindeutig. Es schlug, voller Kraft und Lebenswillen. Und ich wusste sofort: Da schlägt unser Kämpferherz.
Merkwürdigerweise hatte ich das tief in mir die ganze Zeit im Gefühl.
Von Beginn an. Man müsste meinen, nach so einem Erlebnis hätte ich mehr Angst gehabt.
Es war eher andersherum. In der ersten Schwangerschaft hatte ich ein deutlich schlechteres Gefühl.
Ob mein Körper es wusste und diese Gefühle da her rührten?

Zurück zum Termin bei meiner Frauenärztin.
Natürlich war alles bestens und erstmals konnte man eine gewisse Formung des Embryos sehen. Kopf und Körper waren erkennbar-
Ich war so verliebt. Und stolz.
Die herzförmige Gebärmutter war übrigens auch deutlich erkennbar, konnte sogar ich sehen.

(für alle Ultraschall-Laien: Links das ist Paul. Wenn man genau guckt, erkennt man rechts den Kopf. Der Kreis rechts ist der Dottersack, welcher über die Nabelschnur (auch zu erkennen oben) das Baby versorgt)


Ich ließ mir von meiner Ärztin noch einmal bestätigen, dass ich wirklich jede Woche kommen darf.
Am liebsten wäre ich ihr um den Hals gefallen.
Auch wenn ich so ein gutes Gefühl hatte, so war es doch irgendwie verdammt wichtig für mich, von Woche zu Woche zu wissen, dass alles gut ist.
Das gab mir eine gewisse Ruhe und Sicherheit.
Und so ein ganz bisschen war da doch die Angst. Einfach, weil ich wusste, durch die (da ja noch Vermutung, anhand eines normalen Ultraschalls sieht man ja nicht allzu viel) Gebärmutterfehlbildung kann noch für einige Zeit ein Risiko bestehen.
Ich glaube, ich war bis zur 18. Woche wöchentlich bei ihr.
Dann kamen die Bewegungen, die mich beruhigten.
Danach war ich zwei Mal wöchentlich bei ihr. Bot sie mir auch an.
So eine Liebe. Zum Dank bekam sie nach der Geburt übrigens einen Gutschein für ein schönes Restaurant. Das war mir sehr wichtig.
Sie war deutlich erstaunt und ich glaube, es war ihr auch ein bisschen peinlich *hihi*
Sie sagte immer wieder, dass das doch selbstverständlich sei.
Eben nicht.
Für sie ist es das. Für die meisten anderen nicht. Das sagte ich ihr, und dass mir dieses Geschenk daher sehr am Herzen lag.
Liebe Gesten für liebe Menschen!


Kommentare:

  1. Da hast du schon einiges durch. Tut mir so leid für dich. Da ist es schwer, ruhig zu bleiben und abzuwarten, wenn man schon ein Kind verloren hat. Puh.. Hart! Ich freu mich, dass du so eine liebe Ärztin hattest, die sich fabelhaft begleitet hat! Du bist echt lieb. Sie hat sich bestimmt über dein Geschenk sehr gefreut. Es ist doch immer schön, wenn man eine positive Rückmeldung bekommt.

    Am allerschönsten ist aber, dass alles gut ging und du einen richtigen Zauberzwerg hast! :)

    Ganz lieben Gruß
    Tanja

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    1. Ja, das stimmt... Aber es hat mir wirklich sehr geholfen, dass ich jede Woche zu ihr durfte (was übrigens immer nur ein kurzer Ultraschall zur Feststellung des Herzschlags sein sollte, sie aber in Wirklichkeit jedes Mal ausgemessen und mir ganz viel gezeigt und erklärt hat).
      Damit kann man natürlich nichts verhindern, aber es gibt einem Woche für Woche Ruhe und Zuversicht. Alle 2 oder gar 4 Wochen wäre sicherlich aufreibend geworden.

      Ja, sie hat sich gefreut. Aber sie meinte: Sowas hätte bisher ja noch keine Frau getan.
      Was mich dann auch etwas "stolz" machte, dass ich die erste war, die so etwas nicht nur mit einem einfachen "Danke" ehrt.
      Es gibt so viele Ärzte, die nicht einmal an 4 Wochen einen (kostenlosen) Uktraschall machen. Da war ein 50- Euro Gutschein für mich das Mindeste ;)
      Ich bin dieser Frau nach wie vor so dankbar. Nur dank ihr konnte ich auch die ersten Wochen schon etwas genießen.
      Viel Wert, definitiv :)

      Ja, der kleine Zauberzwerg... Kaum zu Glauben, dass er das auf diesem Bild sein soll, oder? Das ist doch irgendwie unvorstellbar...
      Das Wunder des Lebens...
      Und nun liegt es gerade neben mir und träumte schlecht. Es kämen im Schlaf komische weinerliche Geräusche :D
      Armer Schatz. Ich werde gleich mal meine Hand an sein Köpfchen legen. Wenn er spürt, dass Mami da ist, kommen bestimmt ganz schnell ganz tolle Träume ;)

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  2. Gänsehautpost. Ich freue mich einfach sehr für euch, dass ihr nun ein gesundes kleines Kind habt und glücklich sein dürft.

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